Aber der Reihe nach. Ankunft in Dublin und Transfer zum Hostel liefen Dienstagnacht problemlos ab. ASHFIELD HOUSE liegt sehr zentral in umittelbarer Nähe zum Trinity College, zur Temple Bar (von Touristen geschätztes Vergügungsviertel mit jeder Menge Pubs, Bars und Clubs) und den Shoppingstraßen rund um Grafton Street. Ich unternahm einen ersten Ausflug zur Orientierung, kaufte mir eine irische SIM-Karte (meine irische Nummer: +353 (0) 85 7496541) und warf einen kurzen Blick ins Büro des Accommodation Advisory Service, den das College für die Massen wohnungssuchender Studenten anbietet. Aber eben nur ein kurzer Blick, denn der Service entpuppte sich als nicht sonderlich hilfreich, vielmehr geht in Dublin kein Weg an http://www.daft.ie/ vorbei. Dort inseriert jeder, dort schaut jeder, dort gehen Zimmer weg wie warme Semmeln am Samstagmorgen beim Bäcker.
Die folgenden Tage ähnelten sich denn auch sehr: Diszipliniert stand ich frühmorgens auf, scannte die neuen Anzeigen, machte per Skype und Handy Viewing Appointments für den Nachmittag/Abend aus. Gegen Mittag half mir meist der Lonely Planet, irgendwo (für Dubliner Standards) günstig etwas Leckeres zu essen zu finden, oder ich ließ mich einfach ein, zwei Stunden treiben, der Nase nach, schnappte hier einen Geruch auf, stieß dort auf einen kleinen Markt, irgendetwas fand sich immer. Am Nachmittag startete ich dann, von Zentrum in den Norden, gleich weiter zum nächsten Termin, dann in den Süden, danach spontan noch ein Treffen im Norden, vielleicht noch eines im Süden ... Auf diese Weise schaffte ich täglich durchschnittlich vier Viewings. Nicht nur der Wettbewerb zwischen den suchenden Studenten und Young Professionals ist hier viel härter als in jeder mir bekannten deutschen Stadt, die WG-Suche läuft in vielerlei Hinsicht anders ab als zuhause: Beispielsweise ist es hier nicht üblich, in aller Seelenruhe ein Viewing einige Tage später zu vereinbaren. Vielmehr hat man eben spontan sofort oder am gleichen Abend Zeit zu haben, oder eben Pech gehabt. Zur Verdeutlichung ein kleines Beispiel, das ich selbst erlebt habe: Die Anzeige eines interessant klingenden Zimmers erscheint auf daft.ie, und als ich exakt 27 Minuten später dort anrufe, bin ich der 76ste (!!), der telefonisch oder per Email geantwortet hat. Es versteht sich von selbst, dass ein Viewing vor diesem Hintergrund nicht viel länger als ein paar Minuten dauert und es vor allem darum geht, einen guten Eindruck zu hinterlassen, oder sagen wir: überhaupt einen Eindruck zu hinterlassen, um später eine Chance zu haben, "ausgewählt" zu werden. Damit verbunden gewinnt natürlich meine Bezeichnung "interessant klingend" eine ganz neue Bedeutung, kurzum, ich senkte meine Erwartungen recht bald so stark ab wie ich gleichzeitig meine Preisbereitschaft anhob. Wer in Dublin ein (sehr) kleines Zimmer einigermaßen in der Nähe des City Centres sucht, muss einen Betrag ab 500€ einkalkulieren - oder sehr großes Glück haben.
Rückblickend waren die letzten Tage extrem stressig und (körperlich und psychisch) anstrengend, aber eben auch eine neue und spannende Erfahrung. Ich habe Zimmerstandards gesehen, deren Existenz ich in einem industrialisierten westeuropäischen Land nicht zwangsläufig erwartet hätte, aber auch ganz gepflegte Häuschen in hübsch anzuschauenden Dubliner Vororten (siehe Foto).

Mein Optimismus war bis zuletzt ungebrochen, und in Anbetracht der Tatsache, dass ich am Ende nach nur wenigen Tagen einige definitive Zusagen hatte und mich schließlich sogar selbst "entscheiden" konnte, scheine ich ziemlich erfolgreich agiert zu haben, zumal wenn ich im Hostel Menschen aus aller Welt begegne, die schon seit Wochen, wenn nicht sogar Monaten, nach einem Zimmer suchen, und das wohlgemerkt schon vor Mitte September, der krassesten Zeit überhaupt, da momentan Studenten aus dem ganzen Land (und Ausland) vor Semesterbeginn wieder in die Stadt strömen.
Heute Morgen habe ich schließlich einem irischen Musiker zugesagt, in dessen kleinem Häuschen ich außer ihm mit zwei Franzosen zusammenleben werde. Im Westen der Innenstadt gelegen werde ich bei einem Fußweg von 25 Minuten und 10 Minuten mit dem Rad nicht von den Stadtbussen abhängig sein (was ein großes Plus ist, dazu aber später mehr). Bis morgen früh bin ich noch in meinem (zweiten) Hostel eingebucht, ehe ich meine Sachen zusammenpacken und mein neues Heim beziehen werde. Ab sofort freue ich mich dort sehr über jeglichen Besuch und Post von Euch! Anbei ein kleines Foto des Hauses, dessen Adresse lautet:
8 Almeida Terrace, Brookfield Street
Dublin 8
Ireland

Da mich die Wohnungssuche nicht nur körperlich und psychisch, sondern auch zeitlich fast vollständig einnahm, zwang ich mich in den letzten Tagen, touristische und spaßige Aktivitäten weitgehend auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben ... aber eben wie gesagt nur weitgehend, daher nachfolgend einige erste kommentierte Impressionen ...



Natürlich schwärmte ich (nach dem allabendlichen Scannen der neuen Anzeigen) dann doch einige Male aus und traf mich mit anderen Travellern oder Wohnungssuchenden in diversen Pubs in und um Temple Bar. Irisches Bier wusste ich schon länger zu schätzen und die Atmosphäre ist einfach der Hammer, wenn die Menschen dicht gedrängt stehen, quatschen, lachen, trinken, der Livemusik lauschen ... Diese Abende im Pub waren allemal eine schöne Abwechslung nach von Höhen und Tiefen durchzogenen Tagen auf WG-Suche. Es mag noch zu früh sein, aber ich beginne mich hier richtig wohlzufühlen, jetzt nach erfolgreicher Suche natürlich erst recht. Die Fotos oben zeigen übrigens eine Gasse der Temple Bar, eine der Brücken über den Liffey und den nächtlichen Haupteingang des Colleges.

Stichwort College, das habe ich natürlich auch schon betreten, tatsächlich ein wenig ehrfürchtig angesichts seiner äußeren Schönheit. Dort direkt habe ich noch niemanden kennengelernt und von einigen Anmeleformalitäten online auch noch keinen persönlichen Kontakt mit Dozenten o.ä. gehabt. Für alle neu angekommenden Studenten wird in der ersten Oktoberwoche die "Freshers' Week" stattfinden, die neben diversen Informations- und Einführungsveranstaltungen selbstverständlich mit einigen Pub Crawls und Parties aufwarten wird. Ich freue mich darauf und bin gespannt, was mich am Trinity College, im Herzen der Stadt, erwartet!




Zu meinem Geburtstag am Sonntag habe ich viele Glückwünsche aus aller Welt erhalten. Vielen Dank an alle, von denen mich ein Gruß per Handy, Email oder StudiVZ erreicht hat! Mehrfach wurde ich gefragt, ob und wie ich gefeiert habe. First of all, of course I did!! Zufällig fiel mein Geburtstag nämlich mit dem vielleicht größten irischen Sportevent des Jahres zusammen, den All-Ireland-Finals im Gaelic Football, einer typisch irischen (verdammt harten) Sportart, die sich im ganzen Land großer Beliebtheit erfreut und Elemente von Rugby, Fußball und sogar ein wenig Basketball (Schritfehler) enthält. Im Finale im traditionellen Dubliner Croke Park (ca. 80.000 Menschen) trafen Kerry und Cork aufeinander, was schon früh morgens die ganze Stadt in ein einziges Farbenmeer von grün-gelb (Kerry) und rot (Cork) gekleideten Fans verwandelte. Die sorgten schon Stunden vor dem Spiel für Stimmung (siehe Fotos oben). Mit Lorna, einer Irin, die ich vor kurzem noch von Berlin nach Karlsruhe mitgenommen hatte, und Emilie, einer bis vorgestern ebenfalls auf Wohnungssuche befindlichen Schwedin, pilgerte auch ich in einen Pub, wo Lorna uns bei einigen Pints über die wichtigsten Regeln aufklärte und uns einige Worte Irisch beibrachte, während wir den Sieg Kerrys verfolgten (und sogar ein wenig betrauerten, da Lorna für Cork gewesen war).
Ihr seht, meine ersten Eindrücke sind positiv, ich freue mich auf die kommenden Wochen und Monate in dieser Stadt und diesem Land, wo ich in den wenigen Tagen seit meiner Ankunft nicht nur ausgelassen und hemmungslos feiernde, sondern eben auch überaus hilfsbereite und interessierte Menschen getroffen habe. Eine Katastrophe ist freilich das System der gelben Doppeldecker-Stadtbusse, die in scheinbar unzähligen verschiedenen Linien zwar das Straßennetz zu beherrschen scheinen, gleichzeitig jedoch oft nur sehr selten oder gar nicht erscheinen, wenn man sie braucht, oder dann drei auf einmal, wenn man gerade auf einen anderen Bus wartet. Seine Fahrt auf einen bestimmten Bus auszurichten ist völlig aussichtslos, vielmehr sucht man einfach eine Haltestelle, wo der gewünschte Bus (irgendwann mal) hält und wartet dort dann einfach. Daher (und natürlich wie so oft angesichts der enormen Preise für Monatskarten) bin ich so froh, dass ich zumindest nicht täglich auf den Bus angewiesen sein, sondern mich lieber in den nächsten Tagen nach einem (wegen akuter Diebstahlgefahr billigen und alten) Fahrrad umsehen werde. Radfahrer leben im rasanten Dubliner Stadtverkehr zwar gefährlich, aber es wird schon irgendwie gehen.


Das letzte Foto zeigt den markanten Spire, eine hoch in den Himmel emporragende Spitze, auf der O'Connell Street im Herzen der Stadt. Soweit mein erster Bericht, weitere Impressionen gibt's online im entsprechenden Webalbum.
Nochmal kurz Adresse und Handynummer:
8 Almeida Terrace, Brookfield Street
Dublin 8
Ireland
+353 (0) 85 7496541
Und während im Hintergrund aus dem Radio im Hostel ganz typisch doch tatsächlich die letzten Takte von U2s Klassiker "Walk On" zu mir hinüberschallen, schaue ich mal, wer von den anderen heute Abend für das eine oder andere Pint zu haben ist.
Talk to you soon,
Chris
No comments:
Post a Comment