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August 01, 2009

Angekommen in Vietnam: Phu Quoc und Sai Gon

Diese Zeilen entstehen in Ho-Chi-Minh-Stadt, der suedvietnamesischen Metropole, die erst seit den 1970er Jahren diesen Namen traegt und noch heute ueberall Sai Gon genannt wird. Wieder einmal liegt mein letzter Eintrag ueber eine Woche zurueck, und ich will euch kurz erzaehlen, was seitdem geschehen ist. Meine Begeisterung fuer Laos hatte wie bereits erwaehnt zur Folge, dass mir fuer Kambodscha und Vietnam zusammen nur rund drei Wochen Reisezeit blieben. Schweren Herzens beschraenkte ich meinen Besuch in Kambodscha daher auf die beiden "Pflichtstops" Siem Reap, wo ich die atemberaubenden Tempel von Angkor besichtigte, und die Hauptstadt Phnom Penh. Insgesamt hielt ich mich also viel zu kurz in dem Land auf, um mir ein umfassendes Bild zu machen. Es bleiben, oberflaechlich und basierend auf nur wenigen Begegnungen, eher gemischte Gefuehle zurueck, die Kambodscha in meiner Erinnerung nicht an Laos herankommen lassen. Trotzdem: Nach den Tempeln von Angkor erlebte ich auch in Phnom Penh einen interessanten Tag, der seine eigenen kleinen Highlights mit sich brachte.

So lernte ich beipielsweise recht schnell, wie man furchtlos einen breiten Boulevard aus franzoesischer Kolonialzeit ueberquert, der von einem unaufhoerlich dahinfliessenden Heer wild hupender und durcheinander manoevrierender Motorradfahrer beherrscht wird. Auf eine Luecke im Chaos wartet man vergeblich und daher am besten gleich gar nicht. Ratsamer ist es, sich langsam aber stetig von Spur zu Spur vorzutasten und ansonsten auf die bemerkenswerten Fahrkuenste der dicht gedraengt vorbeirauschenden Fahrer zu vertrauen, die sich wie im Schlaf und ohne zu bremsen einen Weg um den anfangs von Todesangst gebeutelten Westler bahnen. Das Foto zeigt eine typische, eher harmlose Szene im naechtlichen Phnom Penh, dessen Strassenverkehr mich uebrigens prima auf das noch extremer anmutende Sai Gon vorbereitete.

Schauriger Hoehepunkt meines Aufenthalts in der kambodschanischen Hauptstadt war der Besuch im Voelkermordmuseum Tuol Sleng, dem ehemaligen Foltergefaengnis der Khmer Rouge, wo in den Schreckensjahren Tausende grausam mishandelt wurden, waehrend sie den Tod herbeisehnten. Bei der Befreiung des Gefaengnisses stiessen vietnamesische Truppen auf sieben Ueberlebende; die Khmer Rouge hatten zu dem Zeitpunkt bereits rund zwei Millionen Menschen, rund ein Drittel ihrer eigenen Bevoelkerung, ermordert. Waehrend meines bedrueckenden Rundgangs durch Tuol Sleng habe ich einige Fotos gemacht, die im Album zu Phnom Penh zu sehen sind, genauso wie natuerlich weitere Impressionen aus der kambodschanischen Hauptstadt, wo nach Jahrzehnten voller Krieg und Leid der Aufbruch zu greifen ist und mich die Lebensfreude und der Optimismus der Menschen ansteckten: http://picasaweb.google.com/christoph.truebenbach/PhnomPenh

Inzwischen bin ich also in Vietnam angekommen, dem vierten und letzten Land meiner Reise und wohl auch dem, auf das ich am meisten gespannt war - und noch immer bin. Warum ich mich erst jetzt melde, liegt daran, dass ich gleich nach meiner Ankunft in Sai Gon spontan einen Flug auf die suedvietnamesische Insel Phu Quoc buchte, wo ich es mir vier entspannte Tage lang am Strand gut gehen liess, durch die meterhohen Wellen an der Westkueste tobte sowie im fast stillen Wasser an der Ostkueste planschte, viel las und schlief, Sonnenuntergaenge wie den abgebildeten bewunderte, dreimal taeglich Meeresfruechte schlemmte (morgens schon in der Suppe!) und ein wenig auf dem Motorrad durch die Gegend brauste. Phu Quoc, da war ich mir mit den Travellern der benachbarten Bungalows einig, ist einer jener Orte, die in fuenf Jahren mit Hotelanlagen bebaut und kaum wiederzuerkennen sein werden.

Und Sai Gon selbst? Spannende Stadt im Aufbruch; stinkendes Moloch mit verpesteter Luft, fest in den Haenden der Motorradfahrer; huebsche im Verfall begriffene oder auch liebevoll restaurierte Kolonialarchitektur; Glitzer und Glamour im Backpackerviertel, in dessen Einheitsbars PizzaPastaPancake gegessen, Heineken in Stroemen getrunken und westlichem Mainstream gelauscht wird; anderswo an jeder Strassenecke etwas zu entdecken; kurzum, Reizueberflutung pur, auch wenn ich natuerlich nur einen kleinen Ausschnitt dieser sich staendig in Bewegung befindlichen Metropole zu sehen bekam. Heute Nachmittag besichtigte ich das beruehmteste Museum der Stadt, das Kriegsrelikte-Museum, dessen fruehere Bezeichnung "Museum der amerikanischen und chinesischen Kriegsverbrechen" die Exponate besser beschrieb, angeblich jedoch viele Besucher abschreckte. Was sich allerdings kaum geaendert hat, angesichts der unzaehligen schockierenden Aufnahmen, die Massaker an der Zivilbevoelkerung oder durch Agent Orange verstuemmelte Kinder zeigen. Da bleiben nicht nur die Augen der vielen amerikanischen Touristen kaum trocken, die sich entsetzt mit dieser drastischen (wenn auch einseitigen) Darstellung dieses dunklen Kapitels ihrer Geschichte konfrontiert sehen.

Morgen frueh starte ich meine bislang laengste Busfahrt dieser Reise: Da mir nur noch etwas mehr als eine Woche bleibt, muss ich zwangslaeufig (wenige) Prioritaeten setzten und lege daher auf meiner Reise in den Norden erst in Hoi An den naechsten Stop ein. Was rund 24 Stunden im Bus gleichkommt, allerdings einem angeblich (hoffentlich) komfortablen, der zudem mehrere ausgedehnte Pausen einlegt. Dienstagmorgen sollte ich in dieser "Stadt wie im Freilichtmuseum" (Stefan Loose) ankommen, von der ich schon so viele begeisterte Reiseberichte gehoert habe. Ich bin gespannt.

Zum Schluss wie immer der Verweis auf die neuen Alben zu Phnom Penh (http://picasaweb.google.com/christoph.truebenbach/PhnomPenh), der Insel Phu Quoc (http://picasaweb.google.com/christoph.truebenbach/PhuQuoc) und Sai Gon (http://picasaweb.google.com/christoph.truebenbach/SaiGon), die ich angelegt habe. Ausserdem meine Empfehlung fuer zwei Buecher, die ich in den letzten Tagen passend zu Kambodscha und Vietnam verschlungen habe: In "The Gate" beschreibt der Franzose Francois Bizot seine Gefangenschaft in den Haenden der Khmer Rouge und die letzten angespannten Tage vor der Evakuierung in der franzoesischen Botschaft in Phnom Penh. Und "Novel without a Name" von Duong Thu Huong schildert nicht nur eindruecklich die traumatisierenden Kriegserfahrungen und von Sehnsucht durchdringten Kindheitserinnerungen eines jungen Soldaten der nordvietnamesischen Befreiungsarmee, sondern ist darueber hinaus sprachlich wunderbar geschrieben. Soviel aus dem Sueden Vietnams, den ich morgen in aller Fruehe wieder verlassen werde. Vielleicht melde ich mich mal aus Hoi An.

July 23, 2009

Letzte Tage in Laos & Die Tempel von Angkor

Eine Woche seit meinem letzten Eintrag. Ganz gleich, ob das wie beim Kaffeekranz klingen mag: Die Zeit verfliegt hier enorm schnell! A propos Kaffee: Der wird in Laos - als sogenannter Cafe Lao - uebrigens ziemlich stark und mit einer grosszuegigen Portion dicker Kondensmilch getrunken. Meinen ersten Eindruecken zufolge scheint das in Kambodscha aehnlich zu sein.

Ihr merkt schon, ich bin nach wunderbarem Aufenthalt in Laos inzwischen in Kambodscha, dem dritten Land meiner Reise, angekommen, nach nervenaufreibender Grenzueberquerung mitten in der Pampa. Warum nervenaufreibend? Weil sowohl die laotischen als auch die kambodschanischen Grenzpolizisten uns machtlosen Touristen jeweils zwei Dollar zusaetzlich abknoepften - fuer Ausreise- sowie Einreiseformulare, versteht sich. (Klartext: Wie die beiden Laender in punkto Korruption abschneiden, kann ich jetzt einschaetzten, ohne Transparency International zurate zu ziehen.) Dass meine tapferen Mitreisenden und ich nachdruecklich protestierten, einen Beleg erbaten oder zumindest nach dem Namen des Polizisten fragten, hatte lediglich zur Folge, dass dieser kurzerhand den Grenzuebergang fuer geschlossen erklaerte und laechelnd seinen Fensterschalter schloss. Wie ihr euch denken koennt, wanderten schliesslich also doch zwei Dollar pro Nase in den unscheinbaren grauen Koffer, den er unter seinem Tisch in Stellung gebracht hatte - und wir schwer bepackt und trotzig die 200 Meter durch's Niemandsland bis nach Kambodscha, wo man uns, wie bereits angedeutet, ebenso (vorfreudig) empfing wie man uns in Laos verabschiedet hatte.

Da die letzte Woche, seitdem ich die laotische Hauptstadt Vientiane verlassen hatte, erneut recht ereignisreich war - und meine Zeit im und Lust auf Internetcafe beschraenkt ist - hier das Wichtigste im Zeitraffer, ehe ich gleich etwas ausfuehrlicher auf meinen heutigen Besuch der unbeschreiblichen Tempel von Angkor eingehe, der wahrhaft ein Highlight meiner Reise darstellte.

In der letzten Woche ...

... nahm ich den recht komfortablen, mit Schlafnischen ausgestatteten Nachtbus von Vientiane ins suedlaotische Pakxe, lernte meinen Bettnachbarn Martin, einen bereits seit 13 Monaten durch die Welt reisenden Deutschen, naeher kennen, musste die naechtliche Reise schliesslich aber doch als Misserfolg verbuchen, da ich mir Bettwanzen einfing (und inzwischen - Daumen gedrueckt! - wohl wieder los bin).

... nahm ich in bunt gemischter Gruppe an einem Tagesausflug ins Bolaven-Plateau ein, wo ich durch Regen und Wasserfall zwar ziemlich nass wurde, gleichzeitig aber einiges ueber den Tee- und Kaffeeanbau erfuhr.

... diskutierte ich mit Martin, einer Luxemburgerin, einem Franzosen und einem Niederlaender bis spaet in die Nacht ueber Europa und beteiligte mich dabei fleissig am Leeren einer billigen Flasche LaoLao - ein Fehler, wie sich am naechsten Morgen herausstellte!

... unternahm ich mit Martin eine spannende Motorradtour zum malerischen Vat Phou - spannend allein schon deshalb, weil ich auf der Rueckfahrt in einen Nagel fuhr, sodass wir unsere Bikes erst mit einiger Verzoegerung und einem neuen Reifen bei stroemendem Regen durch die stockdunkle Nacht zurueck nach Pakxe manoevrieren konnten.

... verbrachte ich zwei entspannte Tage auf Si Phan Don, den "Viertausend Inseln" nahe der kambodschanischen Grenze im Mekong, wo ich in der Haengematte las und schlief, mit dem Fahrrad durch die endlosen Reisfelder radelte, zwei der kleinen Inseln umrundete und es mir abends bei roetlichem Schummerlicht, Blick auf den Fluss und den koestlichen Gerichten meiner Gastgeberin gutgehen liess.

... teilte ich erstmals auf dieser Reise mein Zimmer - zunaechst mit Martin, gestern schliesslich mit zwei Englaenderinnen.

... revidierte ich meinen anfangs eher negativen Eindruck von Kambodscha zunehmend ins Positive, zumal nach diesem wunderbaren Tag heute bei den Tempeln.





Denn die gewaltigen Tempel von Angkor, die ueber ein riesiges Areal verstreut liegen, werden ihrem ambitionierten Ruf, das Highlight einer jeden Suedostasienreise schlechthin zu sein, in der Tat mehr als gerecht. Das ist jedenfalls mein persoenlicher Eindruck, nachdem ich gestern den (wegen den Wolken leider nur angedeuteten) Sonnenuntergang sowie heute den ganzen Tag von - festhalten! - 5 bis 17 Uhr in Angkor verbracht und so viele der Prachtbauten wie moeglich besichtigt habe. Direkt nach meiner Ankunft in Siem Reap hatte ich mir gestern Nachmittag einen Tuk Tuk-Fahrer geschnappt und mich nach zaeher Verhandlung auf einen Pauschalpreis mit ihm geeinigt. Und so konnte ich mich heute gemuetlich im Tuk Tuk zuruecklehnen, waehrend Soun - so sein Name - wie der Irre die Strassen des weitlaeufigen Areals von Tempel zu Tempel entlangbrauste. (Banteay Srei, der aus meiner Sicht aufgrund seiner feinen Verzierungen im Stein beeindruckendste, lag beispielsweise 30 Kilometer ausserhalb Siem Reaps.) Souns Fahrtempo, meiner Planung im Vorfeld und unser beider Disziplin beim Klingeln des Weckers heute Morgen gegen 4 Uhr ist es denn auch zu verdanken, dass ich an einem Tag ungefaehr so viel zu sehen bekam wie andere an zwei oder drei. So weine ich der Tatsache, dass ich aufgrund meines begrenzten Zeitbudgets nur einen Tag an dieser magischen Staette verbringen konnte, keine Traene nach, sondern freue mich auf die Hauptstadt Phnom Penh, die ich morgen am fruehen Nachmittag erreichen sollte. Laos hat mir einfach so gut gefallen, dass mir fuer Kambodscha und Vietnam zusammen nur 3 Wochen bleiben, ehe ich am 12. August von Hanoi im Norden Vietnams nach Bangkok und von dort aus zurueck nach Frankfurt fliegen werde.

Vorhin warf ich noch einen kurzen Blick auf den abendlichen Markt in Siem Reap, der erst nach Sonnenuntergang richtig in Gang kommt, wenn das Heer der Tuk Tuks und Fahrraeder aus Angkor zurueckkehrt und sich immer mehr weisse Gesichter unter die Einheimischen im Zentrum der kleinen Stadt mischen.

Da ich mich heute Abend eher kurz gefasst habe, sei auf die neuen Alben verwiesen, die Impressionen vom Bolaven-Plateau (http://picasaweb.google.com/christoph.truebenbach/BolavenPlateau), der Motorradtour zum Vat Phou (http://picasaweb.google.com/christoph.truebenbach/VatPhou), dem entspannten Zwischenstopp auf den "Viertausend Inseln" (http://picasaweb.google.com/christoph.truebenbach/SiPhanDon) sowie - ganz aktuell und ziemlich umfangreich - vom heutigen Tag bei den Tempeln von Angkor (http://picasaweb.google.com/christoph.truebenbach/Angkor) beinhalten.

Bis die Tage aus Phnom Penh oder Vietnam!