Welcher Tag ist heute: Donnerstag? Oder Freitag? Samstag, verraet mir ein seltener Blick in den Kalender schliesslich. Ich habe mit dem Mitzaehlen aufgehoert, ein gutes Zeichen, wie ich finde.

Es gibt einiges zu erzaehlen, nachdem ich die letzten Tage im laendlichen und vom Tourismus noch wenig beruehrten Norden von Laos zugebracht habe, in Gegenden ohne Internet und mit Strom von 18 bis 22 Uhr (und auch dann nicht immer). Doch vielleicht zunaechst kurz, wo ich mich momentan aufhalte: In Luang Prabang, der alten Koenigsstadt, seit 1995 Unesco-Weltkulturerbe. Kein Wunder also, dass sich die zahlreichen Vats (Tempel), historischen Bauwerke und Kulturlandschaften der nur 30.000 Einwohner zaehlenden Kleinstadt, 380 Kilometer noerdlich der laotischen Hauptstadt Vientiane am Zusammenfluss von Mekong und Nam Khan gelegen, seitdem immer groesserer Beliebtheit erfreuen und ueberall neue Gaestehaeuser errichtet oder ausgebaut werden. Doch zu meinen ersten Eindruecken aus Luang Prabang spaeter mehr.
Der Reihe nach:
Vielleicht erinnert ihr euch, dass ich mich zuletzt aus der kleinen laotischen Grenzstadt Houay Xai meldete, nachdem ich bei stroemendem Regen in klappriger Faehre den Mekong von Thailand nach Laos ueberquert hatte. Dort hatte das Wetter uebrigens zur Folge, dass noch waehrend meines Besuchs im Internetcafe, kurz nachdem ich den Eintrag verfasst hatte, der Strom ausfiel und ich in pechschwarzer, verregneter Nacht zurueck zum Gaestehaus irrte.

Nach leckerem Cafe Lao legten wir am anderen Morgen ab, um dem traege dahinfliessenden, milchkaffeebraunen "Strom der Stroeme" sechs Stunden lang flussabwaerts bis Pakbeng zu folgen. In Anbetracht der Horden lauter Backpacker, die sich morgens am Pier einfanden und die Flussfahrt mit viel Beerlao zu einer anstrengenden Angelegenheit werden liessen, bleibt mein Fazit dieser Unternehmung, die ja angeblich ein Highlight einer jeden Suedostasienreise darstellen soll, eher gemischt. Sicher auch, weil die Landschaft entlang des Mekong zwar huebsch anzusehen ist, jedoch lange nicht an die des weiter noerdlich gelegenen Nam Ou heranreicht, desser Bilderbuchpanorama ich zwei Tage spaeter erstmals geniessen sollte. Auch dazu spaeter mehr.

Pakbeng, ein kleiner Ort auf halber Strecke zwischen Houay Xai und Luang Prabang, hat denn auch nicht viel mehr zu bieten als eine Reihe von Gaestehaeusern, die, vertreten durch kleine Kinder, schon am Pier auf Jagd nach mueden Backpackern gehen, und einigen Bars, die neben der regulaeren Karte mit sogenannten "Happy Menus" aufwarten, die Marihuana in jeglich denkbarer Form anbieten. Leider laeuft praktisch ueberall westlich-kitschige Musik. Und doch, der Abend in Pakbeng war klasse, da er mir einige neue Bekanntschaften und eine spannende Diskussion mit einem jungen Paerchen bescherte. Sie Englaenderin, er aus Mauritius, beide aber indischer Herkunft, momentan auf Weltreise, um herauszufinden, in welchem Land sie kurz nach ihrer Hochzeit in Zukunft gerne leben und ihre kleine NGO gruenden wuerden. Und so redeten wir bei einigen Beerlao bis spaet am Abend darueber, warum Thailand nicht in Frage kaeme, was die Vereinten Nationen in ihren Entwicklungshilfemissionen alles falsch machten und ob indische Slumbewohner ueberhaupt einen anderen Lebensstil bevorzugen wuerden. Leider nahmen die beiden am naechsten Morgen wieder das Boot fuer die zweite Etappe bis Luang Prabang. Moeglicherweise treffen wir uns aber in einigen Tagen in Vientiane wieder.

Boris und ich nahmen das Boot nicht, sondern den Bus. Boris? Ein Chilene, derzeit aber mit Arbeitsvisum in Neuseeland, wo er sein noch etwas ausbaufaehiges Englisch verbessert. Trotzdem: Kommunikationsprobleme hatten wir gluecklicherweise keine waehrend unseres aufregenden Tages in diversen Kleinbussen, der fuer mich erst kurz vor Mitternacht im kleinen, nordlaotischen Ort Nong Kiao und fuer Boris noch etwas spaeter in Luang Prabang enden sollte. Insgesamt legte ich wohl nur rund 250 Kilometer zurueck, aber die hatten es in sich: Von schlaglochdurchzogenen Serpentinen, Felsbrocken und umgestuerzten Baeumen auf der Fahrbahn bis hin zu einem durch den starken Regen ploetzlich entstandenen Fluss mitten auf der Strecke war alles dabei. Doch als einzige, neugierig bestaunte Nichtlaoten im Bus hatten wir trotz der Schaukelei ueber Schotterpisten unseren Spass. Ganz im Gegensatz zu den reihenweise ueber die Plastiktueten gebeugten Einheimischen oder die strapazierten Achsen der Fahrzeuge, mit deren Bruch ich beinahe minuetlich rechnete. Beim Blick aus dem offenen Fenster: Atemberaubende Berglandschaft, saftig hellgruene Reisfelder und in jedem Dorf entlang der Strasse das Laecheln und Winken der Laoten. Und natuerlich Kinder, Kinder, Kinder. Ueberall. Beim Spielen, Arbeiten, Baden im Fluss. Zunaechst schuechtern das Laecheln des Fremden erwidernd, bald daraufhin ein Strahlen im Gesicht. Im letzten Bus spaet abends, der so voll war, dass die Passagiere im Fussraum etwas Schlaf suchten, fuehrte ich schliesslich noch ein gutes Gespraech mit einem jungen Laoten, der das Glueck hatte, studieren zu koennen und daher wesentlich besser Englisch sprach als die meisten seiner Landsleute. Mal sehen, vielleicht koennen wir trotz seines teilweise eingeschraenkten Internetzugangs einen Emailkontakt aufbauen.

Es war wie gesagt schon spaet am Abend, als ich endlich Nong Kiao erreichte und dort direkt an seiner markanten Bruecke rausgelassen wurde. Mit Taschenlampe und Reisefuehrer fand ich auch zu spaeter Stunde noch ein Zimmer in einem rustikalen, aus Holz errichteten Gaestehaus, wo ich nach dem langen und beschwerlichen Tag im Bus gleich unter mein Moskitonetz kroch.

In Nong Kiao erlebte ich am anderen Morgen dann wohl mein (bisheriges) kulinarisches Highlight dieser Reise, ein sagenhaftes Fischcurry mit lecker duftendem Klebreis, dazu einen exotisch erfrischenden Fruchtshake und einen aromatisch Cafe Lao. Den herrlichen Blick auf die Bruecke ueber den Nam Ou und die grossen bunten Schmetterlinge im Garten gab es gratis dazu.

Um 11 Uhr morgens legte ich mit einer kleinen, erneut bunt international durchmischten Gruppe wieder ab, dieses Mal jedoch nicht auf dem Mekong, sondern dem landschaftlich wunderschoenen Nam Ou. Nach einer Stunde Fahrt flussaufwaerts erreichte ich Muang Ngoi, ein verschlafenes Nest, das nur ueber den Wasserweg erreichbar ist und daher ein ganz eigenes Inselflair verstroemt. Und jetzt stellt euch folgendes Szenario vor: Bambusbungalow mit Haengematte unter dem Vordach, Ausblick auf Gebirge und Fluss, Grillenzirpen, eine angenehme Brise, keine Plaene und ein eiskaltes Beerlao. Genau so sah mein Tag in Muang Ngoi aus, unterbrochen nur durch Mittag- und Abendessen, die ich in einem der Terrassenrestaurants mit Tara (Australien) und ihrem kleinen Sohn Jordan, Tere (Spanien), einem Paerchen aus der franzoesischsprachigen Schweiz und einem Ehepaar aus Suedkorea einnahm. Noch mehr Beerlao und anschliessend sogar eine traditionelle koreanische Teezeremonie. (Wirklich unglaublich, die beiden hatten neben ihren Hightech-Kameras sogar ihr wertvolles, chinesisches Teeporzellan dabei.) Muang Ngoi war das Paradies, und das ganz ohne Strand.

Vorgestern schliesslich stach ich ein (vorerst) letztes Mal in See, flussabwaerts den Nam Ou entlang, vorbei an Nong Kiao, wo ich die Nacht zuvor verbracht hatte. Kurz schweifte mein Blick hoch zum Restaurant an der Bruecke, wo mir das beste Fischcurry meines Lebens zuteil geworden war. Fuenf Stunden tuckerte das Slow Boat in suedlicher Richtung, ehe ich am Abend in Luang Prabang von Bord ging, zusammen mit drei Spanierinnen, mit denen sich die Zimmersuche jedoch kompliziert gestaltete, sodass ich mich bald verabschiedete und allein mit meinem Gepaeck auf den Weg entlang der belebten Hauptstrasse mit ihren unzaehligen Gaestehaeusern, Restaurants und Textil-/Antiquitaetenlaeden machte. Der Zufall wollte, dass ich an einer Strassenecke wieder auf Boris, meinen tapferen Mitstreiter aus dem Bus, traf, dem ich nun zu verdanken habe, dass ich in einem sehr huebschen, gut gelegenen und fuer Luang Prabang sogar sehr preiswerten Gaestehaus untergekommen bin. Ein erster Spaziergang am fruehen Morgen gab mit einen Eindruck davon, wie schoen und ruhig diese von vielen franzoesischen Kolonialvillen und dem leuchtenden Orange der Moenche gepraegte Stadt trotz zunehmender Besucherzahlen bislang geblieben ist. Und auch in punkto Souvenirs sowie - einmal mehr - kulinarisch hat der allabendliche Markt einiges zu bieten. Zum Mittagessen goennte ich mir allerdings einen Besuch im Restaurant, wo ich Mokpa - gedaempften Fisch im Bananenblatt mit Kokosmilch -, duftenden Klebreis, scharfen Papayasalat und anschliessend einen Cafe Lao bestellte.
Zwischen den Zeilen unschwer zu erkennen: Es gefaellt mir sehr gut in Laos, und ich geniesse Land und Leute so sehr, dass ich mir wohl noch gut ein bis zwei Wochen Zeit fuer die Weiterreise nach Kambodscha nehmen werde. Gerade eben beispielsweise hatte ich eine nette Unterhaltung mit einer Laotin, die mir zum Fruehstueck eine exzellente Nudelsuppe mit Bueffelfleischeinlage und Pilzen zubereitete. Wir sprachen auf Franzoesisch, der Sprache der ehemaligen Kolonialherren, mit der man hier in Luang Prabang gerade unter der aelteren Bevoelkerung oftmals weiter kommt als mit Englisch.
Drei neue Alben mit Fotos sind auf
http://picasaweb.google.com/christoph.truebenbach online: Bilder von der Fahrt auf dem Mekong, Impressionen der wunderbaren vergangenen Tage in Nordlaos und schliesslich erste Eindruecke aus Luang Prabang, das ich voraussichtlich morgen frueh wieder in Richtung Phonsavan und der Ebene der mysterioesen Tonkruege verlassen werde. Der Bericht meiner Reise von Norden nach Sueden folgt in einigen Tagen.