March 01, 2007

Le dernier jour

Au Vieux Port


Vom Wetter wollte ich Euch erzählen, und von dem Gedicht, das ich einer Equadorianerin gewidmet habe. Wie viel doch seitdem geschehen ist ...

An diesem letzten Schultag sitze ich nun hier im verlassenen Klassenzimmer, um Euch noch einige Zeilen zu schreiben. Vor zwei Stunden habe ich mich herzlich von Florence verabschiedet, meiner Lehrerin in den drei Wochen. Anschließend ein letztes gemeinsames Mittagessen in der Caféteria. In der Zwischenzeit ist es ruhig geworden im Schulgebäude. Die ersten sind schon abgereist, andere nehmen morgen den TGV oder das Flugzeug, wieder andere, insbesondere die Latinos, bleiben noch einige Wochen oder sogar Monate.

Nicht einmal den Regen höre ich mehr. Die dicken Tropfen von heute Morgen sind in ein Nieseln übergegangen. Das Wetter an der Atlantikküste spielt schon allzu oft verrückt. Ich sehne mich nach etwas Berechenbarkeit. Sonne, Schauer, Wind, Sturm, Regen von allen Seiten, dicke Tropfen, Sprühregen, Nieseln, kaputte Regenschirme ... Ihr wundert Euch vielleicht, beschäftige ich mich doch sonst nicht derart mit dem Wetter, doch ist eben dieses hier ständig Thema, war doch unser einziges Fortbewegungsmittel das Fahrrad - abgesehen von gelegentlichem Ausweichen auf die wenigen Busse, die am Place de Verdun zusammenlaufen. Umso mehr haben wir die zweite Woche genossen, in der doch die Sonne jeden Tag für einige Stunden ihren Platz am Himmel behauptete und uns manch Nachmittag in den unzähligen Cafés und Restaurants am alten Hafen verbringen ließ.

In die zweite Woche fiel auch mein 2-Tage-Intermezzo beim DAAD in Bonn. Jeweils 10 Stunden hin und zurück für 20 Minuten Interview sind zwar anstrengend, doch wollte ich mir die Chance auf eine Förderung nicht entgehen lassen. Es fällt mir schwer, abzuschätzen, wie es gelaufen ist. Zumal ich nicht weiß, wie die anderen Kandidaten abgeschnitten haben, wieviele Bewerber sich überhaupt auf welche Anzahl freier Plätze beworben haben. Nach dem Interview blieb ein gutes Gefühl zurück, in zwei bis drei Wochen werde ich wissen, ob sich der Trip gelohnt hat. Was das Wetter - schon wieder - anbelangt, haben mich diese drei Wochen mit Sicherheit gut auf ein Jahr in Dublin vorbereitet.

Ereignisreich und schön war's. Im Augenblick fällt es mir schwer, zurückzublicken oder eine Bilanz zu ziehen. Bisher fehlte mir zum Nachdenken einfach die Zeit. Schließlich treffe ich mich heute Abend nochmal mit den anderen. Ein letztes Mal werden wir mit hochgekrempelten Krägen unter der großen Turmuhr warten, bis alle eingetroffen sind, unsere Räder anketten und losziehen in einen Pub oder eine Bar. Und später in der Nacht nach Hause radeln, mit etwas Glück nicht in strömendem Regen. Morgen früh werde ich packen, mich von meinen Gasteltern verabschieden und am Nachmittag in den TGV steigen.

Drei Wochen waren kurz, gerade im Vergleich mit denen, die bis zu einem halben Jahr in ihren Gastfamilen leben und Tag für Tag in Eurocentres ihr Französisch trainieren. Doch habe ich mich auch in dieser kurzen Zeit in dieser hübschen kleinen Stadt sehr wohl gefühlt, unterstützt durch die fantastische Beziehung zu meinen Gasteltern und den Internationals in der Schule. Ich füge unten noch einige Impressionen bei und erzähle zu Hause gerne mehr.

Übrigens, was die Equadorianerin betrifft, ist es bei dem Gedicht geblieben. Wirklich fehlen wird mir jedoch Yuanju, eine Taiwanesin, die morgen für zwei Monate nach Paris aufbricht. Doch wer weiß, vielleicht besucht sie mich im Mai ein, zwei Wochen in Berlin ...

Ab Sonntag bin ich zuhause, am 20. März ziehe ich nach Berlin. Wäre schön, den einen oder die andere vorher nochmal zu sehen ...

Bisous.

Le matin

Aquarium

Les autres

Isabella et moi

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