June 29, 2009

Lebenszeichen aus der Wiege Thailands (Bangkok - Sukhothai)

Ich sitze in der naechtlichen Pampa, waehrend ueber mir der Ventilator surrt und draussen die Grillen zirpen. Ein kleiner grauer Salamander krabbelt die Wand herab, ueberlegt es sich dann aber nochmal und macht auf halbem Wege kehrt. Direkt vor der Tuer wartet seit Minuten schon unschluessig ein kleiner Frosch. Hier rund um's Gaestehaus huepfen und quaken sie ueberall. Kein Regen, nachdem der Himmel ueber Bangkok an den letzten Abenden ein spektakulaeres Schauspiel bot mit seinen violetten Blitzen, gefolgt von beinahe explosionsartigem Donnergrollen. Von den Wassermassen, vor denen die Menschen rechtzeitig unter das naechstgelegene Vordach zu fliehen versuchen, ganz zu schweigen.

Ich schreibe diese Zeilen aus Sukhothai, wo ich heute Morgen nach zwar beschwerlicher, aber doch vor allem abenteuerlicher sechseinhalbstuendiger Fahrt im ruckelnden Nachtzug angekommen bin. Im engen Abteil lagen wir alle dicht gedraengt, Thai wie Reisende, in schmalen Stockbetten, die meiste Zeit ueber vom gleissenden Neonlicht wachgehalten. Ich jedenfalls. Oder doch eher aus Platzmangel am Fussende der Pritsche, wo ich meine Fuesse um mein Handgepaeck mitsamt den Wertsachen geschwungen hatte. Trotzdem ein Erlebnis. Mit nur geringer Verspaetung erreichten wir gegen viertel vor fuenf am Morgen Phitsanoluk, wo mich ein ausgewanderter Amerikaner auf dem Ruecksitz seines Mopeds zum Busbahnhof brachte. Von dort ging's weiter nach Sukhothai, als einziger Weisser im Linienbus, dessen Passagiere kurz nach der Abfahrt in tiefen Schlaf sanken. Viele Schulkinder auch in Uniform.

Rueckblende. Ich will noch ein wenig von zwei Begebenheiten erzaehlen, die mir von meinem dritten und letzten Tag in der Hauptstadt in besonderer Erinnerung bleiben werden. Am Vormittag war ich einmal mehr zu Fuss auf Erkundungstour aufgebrochen, zunaechst in Richtung des Golden Mount, einem aufgeschuetteten Berg, an dessen Spitze ein goldenes Heiligtum Pilger wie Reisende gleichermassen erwartet. Beim Anstieg habe ich es den Thai gleichgetan und die zahlreichen Glocken gelaeutet, die den Pfad saeumen. Nicht weit vom Golden Mount entfernt, im Loha Prasat, genoss ich die Stille der labyrinthartigen Korridore, ohne von anderen Touristen gestoert zu werden, die den etwas versteckten Eingang sowie die Wendeltreppe zu den hoeheren Ebenen wohl mehrheitlich uebersehen.

Stark beeindruckten mich am Nachmittag die engen Gassen in Chinatown. Spaetestens hier fiel ich ob meiner Groesse und Hautfarbe nun wirklich auf, da sich in diese Gegend weniger Touristen verirren als in den Stadtkern rund um den Palast. Neugierig probierte ich hier und da aus den Toepfen der zahlreichen Garkuechen, fand beispielsweise Gefallen an suesslich duftenden, noch warmen Muffins, die als Nachtisch zusammen mit Kokosraspeln gegessen werden. Gleich nebenan, im indischen Viertel, fand ich nach mehr oder minder erfolgreichen Frageversuchen am Ende einiger verwinkelter Gassen den Sikh-Tempel, wo ich als Besucher herzlich empfangen und mit der obgligatorischen Kopfbedeckung versehen wurde. Am Schrein der Gottheit traf ich auf zwei Turban tragende Sikh, mit denen ich eine jener so fruchtbaren Konversationen fuehrte, bei denen die sprachliche Verstaendigung eher zweitrangig ist. Ob die beiden tatsaechlich jemals nach Deutschland kommen und dort mit mir eine christliche Kirche besuchen werden?

Ehe ich mich zum Hauptbahnhof aufmachte, liess ich mich ein letztes Mal zum Abendessen in einer der Garkuechen unweit meines Gaestehauses nieder. Waehrend ich auf meinen Tofu mit gegrillten Cashews wartete, kam ich mit einer Daenin ins Gespraech, die mit ihrem Freund im Sueden des Landes von Insel zu Insel gereist war. Vielleicht mache ich sowas auch mal, wenn es mich wieder nach Thailand verschlaegt.

Abschliessend noch - in stark verkuerzter Form und ohne Hinweise auf Aussprache - das Gespraech, das ich so oder so aehnlich in den letzten Tagen unzaehlige Male in den Strassen Bangkoks gefuehrt habe:

Thai: Hello, where you from?
Ich: Germany.
Thai: Oh, willkommen in Thailand! Germany great soccer!
Ich: Yes, thank you. Are you from Bangkok?
Thai: Yes, I'm an English teacher. Where you going?
Ich: I'm just walking around.
Thai: I can take you to the Lucky Buddha and Standing Buddha with TukTuk.
Ich: No, thank you, I have seen them already.
Thai: Where you going next?
Ich: I don't know, perhaps to the Palace.
Thai: Oh no, Palace closed. Is Buddhist holiday. I take you to other palace ...

Um trotz dieses Beispiels keine Misverstaendnisse aufkommen zu lassen: Ich mag die Menschen in diesem Land sehr und habe durchaus schon die eine oder andere interessante, ehrlich und unaufdringlich interessiert gefuehrte Unterhaltung auf der Strasse erlebt. Wie zuletzt erwaehnt, ein Laecheln und einige Worte Thai wirken oft Wunder.

Inzwischen bin in der historisch so bedeutenden Stadt Sukhothai angekommen. Gleich nach meiner Ankunft bestaunte ich heute schon unzaehlige Tempelruinen. Um mich auf dem weiten Areal schnell und, angesichts der Hitze, kraftsparend fortzubewegen, mietete ich mir ein Moped. Was fuer ein Gefuehl, so unbeschwert durch die Gegen zu brausen - mal mit, mal ohne Helm - auch wenn der Strassenverkehr anfangs natuerliche eine gewisse Umstellung erfordert.

Auch morgen werde ich nochmal auf zwei motorisierten Raedern starten, und zwar schon um kurz nach sechs Uhr in der Fruehe: Zusammen mit einem franzoesischem Paerchen will ich in einem nicht weit entfernt gelegenen Nationalpark wandern gehen. Was meiner Hoffnung, den heute eingefangenen Sonnenbrand schnell wieder auszukurieren, natuerlich zuwiderlaeuft. Trotzdem, ich freue mich auf die Natur und den morgigen, letzten Tag in Sukhothai. Uebermorgen frueh werde ich mit dem Bus weiter in Richtung Norden aufbrechen, nach Chiang Mai, wo gleich am naechsten Tag meine Trekking-Tour startet.

Das Gaestehaus, etwas abseits vom Stadtzentrum gelegen, ist uebrigens sehr huebsch. Alleine bewohne ich ein Doppelzimmer, das nichts vermissen laesst, und mit Moskitonetz und Hautspray sollte ich heute Nacht auch gegen diese Gefahr gewappnet sein. Beim Gedanken an mein Bett, zumal nach letzter Nacht im Zug, verweise ich euch noch auf das zweite Album, das ich mit den Fotos von Zugfahrt und erstem Tag in Sukhothai angelegt habe (http://picasaweb.google.com/christoph.truebenbach/Sukhothai) und schicke euch naechtliche Gruesse. Wahrscheinlich lasse ich in einigen Tagen aus Chiang Mai oder vom nachfolgenden Stop meiner Reise von mir hoeren, wo auch immer der sein mag.

1 comment:

  1. Hallo Christoph, das ist ja richtig spannend, deine Reiseberichte zu lesen. ich freue mich schon auf den nächsten. Und auch die Fotos sind super. Ich denke, das sind Wochen für Dich, die Du niemals mehr vergessen wirst. Die Wetterbdingungen kann ich - ein bisschen - nachvollziehen. Auch hier sind momentan rund 30 °C mit zunehmender Schwüle Tag für Tag. Bis bald Papa

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