
Heute unternehme ich nichts. Das stimmt so natuerlich nicht. Vielmehr besuche ich heute keine Tempel, bestaune dort keine goldenen oder bronzefarbenen oder hoelzernen Buddhas und erklimme keine Aussichtspunkte ueber den

Daechern der Stadt. Solche sind in Vientiane ohnehin spaerlich gesaet, was in einer Stadt ohne Skyline jedoch kaum ins Gewicht faellt. Den That Luang ("Ehrwuerdiger Stupa"), laotisches Nationalsymbol und bedeutendstes religioeses Monument des Landes, der sich ausserhalb des Zentrums golden und (angeblich) majestaetisch 45 Meter in den Himmel erhebt, habe ich gestern schon begutachtet - und fuer aehnlich unspektakulaer befunden wie das Anousavari ("Denkmal"), die laotische Version des franzoesischen Arc de Triomphe. Es wird etwas spoettisch "vertikale Rollbahn" genannt, da die USA den beim Bau verwendeten Zement urspruenglich zur Erweiterung des Flughafens geliefert hatten (siehe Fotos).

Vientiane ist, kurz gesagt, weniger huebsch anzusehen als die alte Koenigsstadt Luang Prabang. Optische Highlights wie der Vat Sisaket (siehe Foto), sind seltener. Zu oft mischt sich sozialistische Einheitsarchitektur unter die wenigen verbliebenen Villen im franzoesischen Kolonialstil. (Oder besser gesagt: Zu selten behaupten sich Letztere zwischen dem sozialistischen Prunk.) Und doch, obwohl es in Vientiane nicht allzu viel zu sehen gibt, hatte ich zwei schoene Tage in der Hauptstadt, die mir gestern Abend gleich zwei potenzielle Uebernachtungsmoeglichkeiten fuer meinen naechsten Besuch in London einbrachten, naemlich dank und bei Sarah und Jason, zwei befreundeten Medizinstudenten aus der britischen Hauptstadt.

Heute Morgen quaelte ich mich noch vor Sonnenaufgang aus dem Bett, um den Moenchen beim allmorgenlichen Einsammeln der Opfergaben zuzusehen. Anschliessend fruehstueckte ich im besten Cafe der Stadt, las ein wenig in der Bangkok Post und relaxe seitdem beim Fruit Shake im Saftladen sowie momentan hier im Internetcafe. Spaeter werde ich mich im (hoffentlich einigermassen komfortablen Nachtbus mit Schlafliege auf die 12- bis 16-stuendige Fahrt ins suedlaotische Pakxe begeben.
Zum Schluss noch ein paar Zeilen zu einer interessanten Begegnung mit einer Gruppe junger Maedchen in Schuluniform, die ihre Mittagspause gestern im gleichen Strassenrestaurant verbrachten, in dem ich mein Mittagessen bestellte. Nachdem ich zunaechst nur neugierig und verstohlen bei der Lektuere meines Buches beobachtet wurde, sprach mich ploetzlich die aelteste aus der Gruppe in praktisch akzentfreiem, dick amerikanisch gefaerbten Englisch an und erzaehlte, dass sie mit ihren Eltern einige Jahre in Washington D.C. gelebt habe. Woraufhin ich von einem Moment auf den naechsten umringt war von all ihren Freundinnen, deren eifrige Fragen und stolze Erzaehlungen sie bereitwillig uebersetzte - bis die Mittagspause zu Ende war und sich die Maedels kichernd verabschiedeten.
Die Fotos der vergangenen beiden Tage in Vientiane habe ich in einem Album zusammengestellt:
http://picasaweb.google.com/christoph.truebenbach/Vientiane
Gerade eben dann uebrigens der Schock: Mein USB-Stick ... LEER! Alle Fotos scheinbar geloescht! Aber nur scheinbar, denn schon seit Tagen plagt sich der Stick mit einem Virus herum, der sich immer wieder neu zu erfinden scheint und die Fotoalben gar nicht oder nur als versteckte Ordner anzeigt. Daher stellen die Webalben bei Picasa inzwischen weit mehr als nur eine praktische Moeglichkeit dar, um euch schon von unterwegs einige Impressionen meiner Reise zu liefern. Vielmehr lassen mich den fragwuerdigen Gesundheitszustand des Sticks etwas gelassener betrachten, selbst wenn sich die Ordner im schlimmsten Fall tatsaechlich in Luft aufloesen sollten. Allerdings werde ich mir gleich vor der Abfahrt noch einen weiteren besorgen und Backups erstellen.
Soviel fuer den Augenblick aus Vientiane.
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