October 27, 2011

Shopping, Connecticut, Rhode Island

Drei Tage sind vergangen, seitdem ich mich aus New York gemeldet habe, deshalb ist es höchste Zeit für ein Update:

Am Montagmorgen habe ich meinen neuen Reisegefährten am Flughafen Newark abgeholt, einen kleinen weißen Nissan. Mit ihm machte ich mich auf den Weg ins Outlet, was sich insofern chaotisch gestaltete, als ich auf dem Weg eine Abfahrt verpasste und ungeplant zurück nach Manhattan fuhr. Von Harlem aus fand ich den Highway in Richtung Norden dann aber problemlos. Vielleicht sollte ich nebenbei erwähnen, dass Sparsamkeit und die Lust auf Abenteuer dazu geführt hatten, dass ich bei der Reservierung des Autos auf ein Navigationssystem verzichtet hatte. Dementsprechend werfe ich während der Fahrt immer mal wieder einen Blick auf meine (wenig detaillierte) Straßenkarte sowie die (noch weniger detaillierte) Karte im Lonely Planet, orientiere mich ungefähr an den Richtungsangaben der Verkehrsschilder (North, East, South und West) und verlasse mich ansonsten auf meine Intuition. Bei der schleichenden Geschwindigkeit, mit der auf amerikanischen Highways gefahren wird, hat das bisher ganz gut funktioniert.

Auch wenn das auf meiner Facebook-Seite einige angezweifelt haben - zwei prall gefüllte große Tüten betrachte ich schon als Shopping-Erfolg, zumal wenn man bedenkt, dass ich am Ende doch nur einen halben Tag zur Verfügung hatte und abends rechtzeitig in Richtung Groton, meines ersten Zielorts, aufbrechen musste. Wie ich die neuen Klamotten nach Hause transportieren soll, steht noch in den Sternen. Hier ein Link zu meiner (ungefähren) Route am Montag.

Groton liegt in Connecticut, gleich neben den beiden verschlafenen Örtchen Mystic und Stonington, und derentwegen war ich auch in der Ecke unterwegs. Tatsächlich machte vor allem Stonington seinem Ruf alle Ehre - ein friedliches ehemaliges Fischerdorf, die wenigen Straßen gesäumt von prachtvollen Häusern (und Häuschen), in denen einst die Kapitäne mit ihren Familien lebten. Heute finden sich dort Cafés und Restaurants, Galerien und kleine Läden, in denen Souvenirs feilgeboten werden. Mystic war etwas weniger hübsch anzuschauen, allerdings legte ich dort einen Zwischenstop in B.F. Clyde's Cider Mill ein, der angeblich ältesten dampfbetriebenen Anlage dieser Art in den USA. Zwar wurde die Technik am Dienstag leider nicht vorgeführt, ein Bummel durch den Hofladen war aber auch reizvoll, und der Becher frisch gezapften Ciders schmeckte wunderbar.

Am Nachmittag zog es mich von der Küste weg und in den nördlichen Teil des Staates, wo es einige besonders schöne und abgelegene Highway-Strecken gibt, entlang derer sich der Indian Summer in seiner vollen Pracht bewundern lässt. Den ganzen Tag schon hatte ich einen strahlend blauen Himmel, Sonne pur und angenehm warme Temperaturen genossen. Und als ich schließlich durch die dicht belaubten Wälder Connecticuts fuhr und die herbstlichen Blätter der Bäume die Straße mit goldenem Licht fluteten, erlebte ich New England wohl so, wie ich mir die Region vorgestellt hatte. Connecticut verließ ich schließlich in östlicher Richtung nach Rhode Island, streifte die dortige Hauptstadt Providence aber nur und kam abends in Newport an (siehe Route am Dienstag). Der Tag endete mit einem Glas Weißwein und meiner ersten Schüssel Clam Chowder. Natürlich will ich euch die Links zu den Fotos aus Connecticut nicht vorenthalten.

Heute widmete ich den ganzen Tag Newport - vielleicht etwas unfreiwillig, da der Cliff Walk mehr Zeit in Anspruch nahm, als ich vermutet hatte. Dieser Walk gibt, wie sein Name schon sagt, auf der einen Seite den Blick frei auf die Klippen und den Ozean, während man auf der anderen Seite die Prachtbauten bestaunen kann, die sich Mitglieder der amerikanischen Oberschicht in den vergangenen Jahrhunderten an diesem idyllischen Fleck Erde errichten ließen und in aller Bescheidenheit nur als "summer cottages" bezeichneten. Doch auch abseits dieser Freizeitschlösschen glänzt Newport durch sein herausgeputztes Stadtbild und die Liebe zum Detail, wie meine Fotos aus Rhode Island hoffentlich erkennen lassen. Leider blieb der Himmel heute den ganzen Tag über grau, was neben der Jahreszeit vielleicht ein Grund dafür war, dass ich vor allem entlang des Cliff Walks kaum jemandem begegnete. Es war gut, heute so lange draußen zu sein, und die friedliche Atmosphäre kam mir gelegen. Newport wäre heute allerdings bestimmt nicht der richtige Ort zur richtigen Zeit für Menschen gewesen, die nicht gerne alleine sind. Dieses kurze Video illustriert vielleicht ganz gut, was ich damit meine.

Nach einem Cappuccino machte ich mich am Abend auf den Weg nach Boston - genauer: Watertown bei Boston - wo ich bei einer Freundin untergekommen bin (siehe Route am Mittwoch). Wahrscheinlich werde ich mindestens zwei bis drei Tag hier verbringen, je nachdem, wie mir die Stadt gefällt und was sie zu bieten hat.

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