October 30, 2011

Schneesturm an der Ostküste

Ich schreibe aus Portsmouth, New Hampshire, rund zwei Stunden nördlich von Boston gelegen, wo ich die letzte Nacht in einem kleinen Highway-Hotel verbracht habe. Ursprünglich hatte ich geplant, noch etwas weiter zu fahren, allerdings war mir nicht danach, den drohenden Schneesturm eingeschneit auf einem verlassenen Highway zu verbringen. Denn was sich da am späten Nachmittag am Himmel zusammenbraute, muss man wirklich als Schneesturm bezeichnen. Heute Morgen sind hier an der Ostküste Hunderttausende ohne Strom, was sogar deutschen Medien eine Nachricht - oder wie hier in der SZ eine Bilderserie - wert war. Mein eigenes Foto anbei habe ich am Abend in der Innenstadt von Portsmouth gemacht, die völlig ausgestorben war, von einigen mutigen Nachtschwärmern abgesehen, die mit Regenschirmen, hochgekrempelten Krägen und nassen Füßen die nächstbeste Bar ansteuerten. Ich selbst gönnte mir ein fürstliches Abendessen in einem Seafood-Restaurant, probierte dazu ein lokales Bier und fuhr danach zurück ins Hotel, ehe ich mein Auto im Schnee nicht wiedergefunden hätte.

Zwei volle Tage hatte ich zuvor in Boston verbracht, wo ich bei einer Freundin untergekommen war. Nachdem ich am ersten Tag wegen des Dauerregens nur einen kleinen Ausflug zum Harvard-Campus nach Cambridge unternommen hatte (siehe mein letzter Eintrag), hatte ich am Freitag mehr Glück: Zwar blieb es kalt, doch begleitete mich strahlender Sonnenschein den ganzen Tag entlang des Freedom Trails, für den ich mir mehrere Stunden Zeit nahm. Boston ist eine überschaubare Stadt - grün, amerikanisch und europäisch zugleich, etwas chaotisch angelegt, reizvoll durch ihre Mischung von Geschichte und Moderne. Und gerade in Cambridge, wo sich neben Harvard auch das MIT befindet, kann man sich wunderbar treiben lassen in dem studentischen Flair, das einem sofort begegnet, wenn man aus der "T" (U-Bahn) aussteigt. Abgesehen vom Freedom Trail nahm ich mir am Freitag bewusst kein Sightseeing mehr vor, sondern verbrachte lieber etwas Zeit in einigen Cafés abseits der üblichen Touristen-Route (sprich: abseits des Freedom Trails). Abends zog es uns in ein berüchtigtes Burger-Restaurant nahe des Harvard-Campus, wo jeder Burger nach einem Politiker benannt ist und man dann je nach (politischen oder kulinarischen) Vorlieben einen "Barack Obama" oder einen "Mitt Romney" bestellen kann. Im "Top of the Hub", einer Bar mit herrlichem Ausblick über die Stadt, ließen wir den Abend bei einem Cocktail ausklingen.

Nach einem leckeren Frühstück in Watertown machte ich mich gestern gegen Mittag schließlich wieder auf, um wie erwähnt hier in Portsmouth, New Hampshire, meine Zelte aufzuschlagen. Inzwischen schneit es nicht mehr, und die Straßen sind einigermaßen frei. Mein Plan für heute: Zunächst ein Bummel durch die Innenstadt, die ich gestern ja nur eingeschneit und im Dunkeln gesehen habe, anschließend werde ich entlang der Küste weiter in Richtung Norden fahren, um heute Abend in Portland, Maine, anzukommen, der nächsten Station meiner Reise. Wie immer hier die Links zu meiner (eher bescheidenen) Route am Samstag und natürlich zu den Fotos aus Boston.

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