Seit Samstagmittag bin ich zurück in München. Dieses Mal dauerte mein Zwischenstopp in Istanbul nur eine Stunde, was meine Rückreise auf 11 Stunden verkürzt hat. Eigentlich wollte ich mich noch mal aus Delhi melden. Allerdings ist mir am vorletzten Abend dann genau das passiert, was mir in den drei Wochen zuvor erspart geblieben war: Ich habe mir den Magen verdorben und eine unruhige Nacht über der Kloschüssel verbracht.
Wie erwähnt hatte ich am Donnerstag Pallavi zum Essen getroffen, eine indische Arbeitskollegin, die ich letztes Jahr in den USA kennengelernt hatte und die in unserem Office in Gurgaon arbeitet, rund 45 Minunten südlich von Delhi und nicht weit vom Flughafen gelegen. Um die Hektik der Innenstadt zu meiden, hatte ich mich für die letzten beiden Nächte noch mal in ein schönes Hotel in der Nähe des Flughafens einquartiert.
Das Wiedersehen mit Pallavi war sehr schön, nur haben wir eben das falsche Restaurant ausgesucht (oder mein Magen hatte einfach einen schlechten Tag). Zumindest hatte ich mit meiner Hotelbuchung insofern Glück, als ich vom Personal dort sehr fürsorglich mit Tee, Bananen und sogar frischen Blumen versorgt wurde, nachdem sich herumgesprochen hatte, dass ich mit Magenkrämpfen in meinem Zimmer ausharrte.
Wie dem auch sei, rückblickend habe ich drei bereichernde Wochen in Indien verbracht, die mir Lust auf mehr gemacht haben, zumal ich in der kurzen Zeit ja nur einen Bruchteil erkundet habe. In guter Tradition dieses Blogs zum Schluss spontan noch einige Highlights:
In den vergangenen drei Wochen habe ich ...
... wie wohl die meisten Besucher das weltberühmte Taj Mahal mit offenem Mund bestaunt
... bei Temperaturen weit über 40 Grad in Delhi und Agra Unmgengen von Wasser in mich hineingeschüttet (und wieder verloren)
... mit offenen und neugierigen Menschen viele interessante Gespräche über die indische Regierung, lähmende Korruption, verschiedene Religionen, die Erfolgsaussichten von "Arranged Marriages" gegenüber "Love Marriages", die zunehmende Schere zwischen Arm und Reich und viele andere Themen geführt
... jede Menge Chai und Lassi getrunken
... in einer luxuriösen Hotel-Suite mit King-Size-Bett und heruntergekommenen Gästehäusern mit steinharten Matratzen (und wahrscheinlich Bettwanzen) geschlafen
... köstliche Speisen mit den Händen gegessen
... den alltäglichen Wahnsinn im indischen Straßenverkehr irgendwann nicht mehr bemerkt
... unzählige E-Mail-Adressen von Travellern aus aller Welt in meinen inzwischen sehr mitgenommenen Reiseführer gekritzelt
... die indische Eisenbahn mit ihren sieben verschiedenen Passagier-Klassen und unzähligen (nicht selten absurden) Berufsbezeichnungen getestet
... laut Google Maps auf meiner Reiseroute rund 1.500 Kilometer auf dem Landweg zurückgelegt (den Rückflug von Leh nach Delhi nicht mitgezählt)
... auf die reizvollen Städte Rajasthans zwangsläufig verzichtet, da es zu dieser Jahreszeit dort einfach zu heiß ist
... im legendären Toy Train rund acht Stunden auf engstem Raum mit verschiedenen indischen Familien zugebracht und dabei wohl mehr über dieses Land erfahren, als andersweitig möglich gewesen wäre
... mich in unzähligen Handys und Digitalkameras von Indern aus allen Teilen des Landes verewigt und dabei meistens die erstaunte Frage beantwortet, warum ich mit 28 Jahren noch unverheiratet bin und alleine reise
... die Hektik in der Metropole Delhi ertragen und die Ruhe im Gebirgsort Naggar genossen
... mich in der "Backpacker Community" oft fremd gefühlt, obwohl ich selbst als Backpacker nach Indien gekommen war
... den zweithöchsten "Highway" der Welt durch die schroffe Schönheit Ladakhs überlebt, durch die wir zwei Tage (immer ab Abrund entlang) geruckelt sind
... mich in Leh angesichts safranfarbener Mönche, bunter Gebetsfahnen, buddhistischer Klöster und leckerer Thukpa und Momos auf den Speisekarten wie in Tibet gefühlt
... meine Trekking-Tour im Himalaya leider schon nach dem ersten Tag abgebrochen, weil mich trotz Akklimatisierung plötzlich die Höhenkrankheit gepackt hat
... nach reiflicher Überlegung und trotz offenbar entspannter Sicherheitslage auf das sagenumwobene Kaschmir-Tal verzichtet und stattdessen länger als geplant in Leh entspannt
... mich vielleicht nicht körperlich erholt, aber durch den Perspektivenwechsel einen neuen Blick auf mein Leben zuhause gewonnen
... eine tolle Zeit gehabt, so dass ich irgendwann bestimmt wiederkehren werde in dieses riesige, bunte, liebenswürdige, chaotische Land.
München, 22. Juli 2012
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