Fast fuehle ich mich wie ein Filmstar. Mir ist zwar (noch) keine Rolle in einem Bollywood-Schinken angeboten worden, allerdings wurde ich inzwischen wohl in schaetzungsweise 100 Digitalkameras und Handys aus allen Teilen dieser riesigen Nation verewigt. Gerade die Begegnungen mit inlaendischen Touristen aus Gegegenden, die selbst wenig westlichen Tourismus erleben, bringen es meistens mit sich, dass ich frueher oder spaeter mit allen Familienmitgliedern fuer's Erinnerungsfoto posiere (siehe rechts). Ich mache das gerne und freue mich jedes Mal, wenn ich mit Einheimischen ins Gespraech komme. Und da zurzeit nicht eben Hauptsaison fuer Indien-Reisen ist (siehe meine Ausfuehrungen zur Hitze im vorherigen Beitrag), habe ich hier wesentlich mehr Kontakt mit Einheimischen als mit anderen (westlichen) Reisenden. Und doch, als Tourist zur Touristenattraktion zu werden - das ist schon amuesant. Hier uebrigens die drei beliebtesten Fragen, die ich unzaehlige Male taeglich beantworten muss, in absteigender Haeufigkeit:
- Where are you from? (Antwort: I'm from Germany.)
- Are you travelling alone? (Antwort: Yes.)
- Are you not married? (Antwort: No, not yet.)
Das loest dann meistens Erstaunen aus, und nicht selten ergibt sich daraus ein interessantes Gespraech. Die Neugierde und das Interesse, aber auch das oft beachtliche Vorwissen der Menschen hier beeindrucken mich sehr.
Ich schreibe uebrigens aus einem kaum zwei Meter breiten Internetcafe in der Fussgaengerzone von Shimla, der Hauptstadt des noerdlichen Bundesstaat Himachal Pradesh. Shimla ist ueber mehrere Ebenen verteilt am Hang gelegen und diente lange Jahre der britischen Besatzungsmacht als Sommerresidenz. Heute scheint die Stadt ein beliebter Ausflugs- und Urlaubsort fuer die von der Hitze geplagten Inder aus dem nahen Bundesstaat Punjab oder der Hauptstadt Delhi zu sein, jedenfalls fuer diejenigen, die sich die etwas hoeheren Preise hier oben leisten koennen. Den ganzen Tag ueber flanieren unzaehlige Familien ueber die "Mall", die zentrale Fussgaengerzone (siehe links). Und da ich die wenigen Sehenswuerdigkeiten der Stadt heute schon erkundet habe, werde ich morgen frueh einen Bus weiter in Richtung Norden nehmen: Auf dem Weg nach Manali habe ich ein, zwei Tage Zwischenstopp im Gebirgsort Naggar eingeplant.
Nach Shimla kam ich gestern wie schon erwaehnt mit dem legendaeren Toy Train (siehe letzter Beitrag) - ein unvergessliches Erlebnis und wohl bisheriges Highlight dieser Reise. Nicht fuenf bis sieben (Angabe im Reisefuehrer), sondern gut acht Stunden ruckelten wir in dieser winzigen Bimmelbahn unzaehlige eingleisige Serpentinen entlang durch die ersten Auslaeufer des Himalayas - die Fenster und Tueren offen, die Temperaturen zunehmend angenehm, die Sitzbaenke eng und hart, die Stimmung im Waggon aber umso ausgelassener.
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Immer wieder hielten wir an winzingen Bahnhoefen, um entgegenkommende Zuege durchzulassen und uns bei den fliegenden Haendlern mit scharfem Knabberzeug und frisch gekochtem Chai einzudecken. Wer mich kennt, wuerde jetzt davon ausgehen, dass ich mir die Zeit mit Lesen vertrieben haette. Fehlanzeige, denn mit den Familien rings um mich herum, darunter Hindis, Sikhs und Muslime, ging mir der Gespraechsstoff auf der ganzen Fahrt nicht aus: Religion, Politik und Wirtschaft, Ehe und Familie, Moralvorstellungen, Kueche, Schule oder Studium - als wir lange nach Einbruch der Dunkelheit endlich mit lautem Getoese in Shimla eintrudelten, hatte ich einiges ueber dieses Land gelernt ... und wohl auch das eine oder andere Vorurteil ueber Deutschland und die Deutschen widerlegt..jpg)
Ich bin also in den Bergen angekommen - und sollte trotzdem noch ein paar Worte ueber meinen eintaegigen Abstecher nach Agra verlieren. Denn am Taj Mahal ist es mir aehnlich ergangen wie damals bei den Tempeln von Angkor Wat in Kambodscha: Ich staunte nicht schlecht, und die anfaengliche Skepsis, ob die Anzahl der Besucher an sich schon ein Qualitaetskriterium fuer eine Sehenswuerdigkeit ist, wich schnell der Faszination fuer dieses magische Bauwerk. Keine Frage, Agra uebertrifft Delhi noch mal deutlich in punkto Temperatur, und die Hitze war an diesem Tag fast unertraeglich, aber der Ausflug hat sich natuerlich trotzdem gelohnt. (Dass ich dank meiner beiden deutschen Reisebekanntschaften zumindest noch einige Stunden in einem Zimmer mit Klimaanlage schlafen konnte, hatte ich ja in meinem letzten Beitrag schon erwaehnt.)
Da das Internetcafe gleich schliesst, muss ich fuer heute zum Ende kommen. Abschliessend sei noch erwaehnt, dass ich (wie zuvor erhofft) auch in kulinarischer Hinsicht voll auf meine Kosten komme (siehe rechts). Zum Schluss noch die Links zu meinen Fotos aus Delhi, Agra, aus dem Toy Train und aus Shimla, die ich inzwischen hochgeladen habe.
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Hallo Christoph,
ReplyDeleteich freue mich, Dich in bester Gesundheit auf der Lok der "Himalaya-Bahn" zu sehen. Hoffe, Du hast nicht die ganze Fahrt so verbracht. ;=)
Wir starten Dienstag in die Mecklenburger Seenplatte, allerdings ohne Rucksack und tropische Temperaturen, freue mich schon auf Deinen nächsten Etappenbericht.
Beste Grüße
Dein TT