November 05, 2011

Anstelle eines Fazits

In den letzten vier Wochen habe ich ...

... tolle Kollegen aus aller Welt getroffen und durch die interkulturelle Zusammenarbeit in St. Charles (und das gemeinsame Wochenende in Chicago) viel über mich selbst gelernt.

... mit meinem kleinen weißen Nissan zwischen New York City und Montreal rund 1.000 Meilen quer durch New England zurückgelegt und die US-Bundesstaaten New York, New Jersey, Connecticut, Rhode Island, Massachusetts, New Hampshire, Maine und Vermont sowie die kanadische Provinz Québec gestreift.

... einem Regentag und einem Schneesturm getrotzt und sonst die Sonne am tiefblauen Himmel als ständigen Begleiter gehabt.

... ein Wochenende bei einem Freund aus Dubliner Tagen in New York verbracht und es genossen, nach drei Jahren mal wieder im Big Apple zu sein.

... in Chicago, Boston und Montreal weitere nordamerikanische Metropolen (mehr oder weniger ausführlich) erkundet und bedauert, dass mir dafür nicht mehr Zeit blieb.

... (fast zu) viele neue Klamotten gekauft oder zu viele alte von zuhause mitgebracht.

... mir ein Bild von "Occupy Wall Street" in New York gemacht und das Original anschließend mit kleineren Filialen in anderen Städten verglichen.

... atemberaubende rotgelbbraunbunte Herbstlandschaften auf verlassenen Highways durchquert.

... Küstenstraßen und Gebirgspässe gesehen, aber keine Bären oder Elche.

... viel Geld für leckeres Essen (vorzugsweise Seafood) und die eine oder andere Übernachtung ausgegeben und manchmal zähneknirschend festgestellt, dass New England kein klassisches Backpacker-Territorium ist.

... dank der vielen lokalen Microbreweries amerikanisches Bier liebgewonnen.

... mir gewünscht, dass die Deutschen eines Tages genauso gastfreundschaftlich und serviceorientiert werden mögen wie die Amerikaner.

... in luxuriösen King-Size-Betten, heruntergekommenen Motels und auf Luftmatratzen geschlafen.

... New England manchmal als typisch amerikanisch erlebt, aber auch verstanden, dass die Region genau das nicht ist.

... eine Mostmühle, einen Bauernhof, eine Brauerei, viele Cafés und Restaurants besucht.

... viel weniger gelesen, aber häufiger in den Lonely Planet geschaut, als ich mir vorgenommen hatte.

... mich als Europäer gefühlt.

... Begegnungen erlebt, bei denen ich die Existenz von Radios in Deutschland bestätigen musste, und dann wieder andere, bei denen ich mit meinem Gesprächspartner über die europäische Schuldenkrise oder Fortbewegungsmittel in Laos fachsimpeln konnte.

... nur einmal (und damit viel zu selten) Hummer gegessen.

... die absurdeste Halloween-Nacht meines Lebens mit einer Hexe (?) im gottverlassenen Conway, New Hampshire, geteilt.

... den schönsten Tag meiner Reise bei einer einsamen Wanderung in den White Mountains nahe des malerischen Kancamagus Highway genossen.

... je nach Etappe wenige bis keine Touristen gesehen.

... viel gefeiert (in den ersten zwei Wochen) und viel nachgedacht (in den letzten beiden).

... die Vorteile des Alleinreisens mal wieder geschätzt, mich aber häufiger einsam gefühlt als in Südostasien.

... Kraft getankt für meine Rückkehr am Montag zu meinem Team nach Leipzig.

... unvergessliche Eindrücke gesammelt.

In chronologischer Reihenfolge hier noch mal Links zu meinen Fotos aus Chicago, New York, Connecticut, Rhode Island, Boston, New Hampshire, Maine, New Hampshire II, Vermont und schließlich Montreal.

In einigen Stunden breche ich zum Flughafen auf, am Sonntagmorgen gegen 10 Uhr lande ich in München.

Montreal, Kanada, am 5. November 2011

Lebenszeichen aus Montreal

Heute Abend schreibe ich nur kurz aus Montreal, da ich mit Packen gut beschäftigt bin. Einen ganzen Tag vor Abflug mag etwas früh erscheinen, allerdings habe ich mich im Outlet nahe New York so reichlich mit neuen Klamotten eingedeckt, dass ich mich jetzt um deren Transport im Backpack und meinem (kleinen) Koffer sorge. Am Ende wird aber schon alles reinpassen, zumal ich einige alte Klamotten unterwegs losgeworden bin.

Nach dem Frühstück bin ich heute morgen zu Fuß losgezogen - erstes Ziel: der Parc du Mont-Royal, von dem aus man einen schönen Ausblick über die Stadt genießen kann (siehe Foto). Lang verweilte ich dort oben allerdings nicht, da es bitterkalt war und zeitweise sogar kurz schneite. Quer durch Downtown steuerte ich anschließend Vieux Montréal an, die historische Altstadt rund um die Basilique Notre-Dame de Montréal, das Wahrzeichen der Stadt. Tatsächlich beeindruckte mich der reich verzierte Innenraum der Kirche sehr, so dass ich dort verweilte, mich ein wenig aufwärmte und mittels Reiseführer und Stadtplan einen kleinen Rundgang durch das Viertel plante. Am Nachmittag scheinte die Sonne wieder, und so verbrachte ich den restlichen Tag in den Straßen und Gassen rund um die Kirche, wo es weitaus mehr zu entdecken gab als im (kommerziellen) Stadtzentrum.

Morgen werde ich vielleicht noch einen Ausflug zu einem Markt etwas außerhalb unternehmen, der sehr sehenswert sein soll - je nachdem, wie viel Zeit mir zwischen Check-Out und Abfahrt zum Flughafen noch bleibt. Wie angekündigt werde ich mich zum Abschluss meiner Reise noch mal mit einem Fazit melden - entweder vom Flughafen aus oder erst am Sonntag, wenn ich wieder in München angekommen bin. Eine Route gibt es heute nicht, da mein Nissan den ganzen Tag über brav in der Tiefgarage Däumchen gedreht hat, hier allerdings das Album mit den Fotos aus Montreal, das morgen möglicherweise noch etwas wachsen wird.

November 04, 2011

Nach sechs Jahren ...

... bin ich zurück in Kanada. Heute Abend bin ich in Montreal angekommen, der letzten Station meiner Reise, wo ich mich zum Abschluss in einem schönen Hotelzimmer mit Blick über die Stadt einquartiert habe (Foto links). Nach Sightseeing war mir nicht mehr zumute, auch weil ich nach dem Abend gestern noch etwas müde bin. Was war passiert? Nach einem leckeren vegetarischen Abendessen war ich in Burlington, Vermont, in einer Bar versunken, hatte der Band gelauscht (Foto rechts), ein gutes Gespräch mit dem Barkeeper geführt und einige Pints des lokal gebrauten "Switchbacks" bestellt. Mit vier anderen Gästen wechselte ich irgendwann in eine Mojito-Bar, und so nahm der Abend seinen Lauf.

Ansonsten war ich gestern und heute nicht besonders aktiv, was nicht bedeutet, dass ich nicht trotzdem zwei schöne letzte Tage "on the road" erlebt hätte. Wie schon in meinem letzten Eintrag erwähnt, besuchte ich gestern Vormittag eine Farm, die auf Cheddar Cheese und Maple Syrup spezialisiert ist (einige von euch dürfen sich schon auf die kulinarischen Mitbringsel auf dem Foto links freuen). Anschließend fuhr ich kreuz und quer durch Vermont bis nach Burlington, wobei ich unterwegs zwei einsame Hochland-Highways wählte, die mir der Lonely Planet empfohlen hatte. Wie schon so oft in den letzten Tagen war ich in solch abgelegenen Gegenden praktisch alleine auf der Straße, und immer wieder hielt ich am Straßenrand, wenn sich ein besonderes Panorama bot (Foto rechts). Nach dem bereits geschilderten Abend in der Innenstadt von Burlington verbrachte ich die Nacht in einem heruntergekommenen (aber für New England unschlagbar billigen) Motel. Hier die Route am Mittwoch.

Burlington zählt nur gut 30.000 Einwohner, ist aber trotzdem die größte Stadt in diesem eher dünn besiedelten Bundesstaat Vermont. Ihr alternatives Flair und pulsierendes Nachtleben verdankt sie der Tatsache, dass knapp die Hälfte der Einwohner Studenten sind. Verblüfft entdeckte ich gestern Abend dann auch den lokalen Ableger der "Occupy Wall Street"-Bewegung, bestehend aus rund 50 Zelten auf einem zentralen Platz in der Innenstadt (Foto links). Um die Stadt besser kennen zu lernen, fehlte mir am Ende aber die Zeit, da mir heute vor der Abfahrt nach Montreal nur ein kurzer Stadtbummel vergönnt war. Den Rest des Nachmittags verbrachte ich dann auch auf einem (landschaftlich unspektakulären) Highway in Richtung Kanada und passierte irgendwann die Grenze, die so wenig frequentiert war, dass nur ein einziger Polizist zu sehen war, der sich sogar Zeit für einen kurzen Plausch nahm.

Heute Abend halten mich meine Müdigkeit und der Nieselregen draußen davon ab, noch mal auszugehen, zumal ich morgen und übermorgen so viel wie möglich von dieser Stadt sehen will, ehe ich am Samstagnachmittag zum Flughafen aufbrechen muss. Vor meiner Rückkehr nach Deutschland werde ich noch mal ausführlicher bloggen und ein Fazit dieser Reise ziehen; für heute will ich es dabei bewenden lassen und schicke euch abschließend noch Links zu den Fotos aus Vermont und meiner Route am Donnerstag.

November 02, 2011

Der einsame Kancamagus Highway

Vielleicht war heute der schönste Tag meiner Reise - aber der Reihe nach, schließlich habe ich seit Sonntagmorgen nichts mehr geschrieben:

Am Morgen nach dem Schneesturm (und seitdem jeden Tag!) schien die Sonne an einem makellos blauen Himmel. Nachdem ich den Blog aktualisiert und mich vergewissert hatte, dass das Auto nicht völlig eingeschneit war, unternahm ich einen zweiten Ausflug in die Innenstadt von Portsmouth, New Hampshire. Auch Portsmouth ist eine hübsche kleine Küstenstadt mit viel Fischerei-Tradition. Wie schon in den vergangenen Tagen begegnete ich auf den Straßen fast keinen Touristen, was mich verblüffte. In einem Café erklärte man mir, dass es für den Indian-Summer-Tourismus schon zu spät sei und um diese Jahreszeit eine Flaute herrsche, ehe über Thanksgiving (Erntedank) wieder mehr Betrieb herrsche. Über meinen Stadtbummel in Portsmouth gibt es ansonsten nicht viel zu berichten. Wie so oft besuchte ich ein Café, trank einen Cappuccino, dann noch einen, las eine Zeitung und wechselte ein paar Worte mit der Bedienung.

Ein Highlight der feucht-fröhlichen Art stellte am Nachmittag mein Besuch in der Red Hook Brewery dar, wo ich für einen Dollar an einer unterhaltsamen Führung teilnahm. Nebenbei sei bemerkt, dass diese Region der USA bekannt ist für ihre vielen kleinen Brauereien (Microbreweries), in denen in begrenztem Umfang leckeres Bier hergestellt und in den ansässigen Bars und Restaurants stolz ausgeschenkt wird. (Dass amerikanisches Bier lecker sein kann, habe ich in den letzten Tagen selbst mehrfach erfolgreich getestet.) Aber zurück zur Führung durch die Red Hook Brewery: Jene wurde von einem Urgestein der Brauerei (siehe Foto) bewusst eher kurz gehalten, um möglichst schnell zur Verkostung übergehen zu können. (Dass er selbst diese Führung mehrmals am Tag anbietet und bei der Verkostung bestimmt gerne selbst zugreift, deutet dieses Video an.) Impressionen aus Portsmouth und der Brauerei findet ihr in den Fotos aus New Hampshire.

Wie fahrtüchtig ich nach fünf bis sechs verschiedenen Biersorten noch war, sei mal dahingestellt. Jedenfalls zog es mich von New Hampshire aus weiter entlang der Küste nach Maine, in den nordöstlichsten Bundesstaat der USA. Je länger ich unterwegs war, desto seltener die Geschäfte und Tankstellen am Straßenrand - und desto schöner die Natur. In New York und Boston hatten sie von Maine geschwärmt, ohne jemals selbst dort gewesen zu sein. Tatsächlich wurde Maine seinem Ruf gerecht, und ich genoss die Fahrt nach Portland sehr (siehe auch meine Route am Sonntag). In Portland hätte ich gerne länger als nur einen Tag verweilt, handelt es sich doch um eine Stadt nach meinem Geschmack: Leuchtend roter Backstein im alten Hafenviertel, Kopfsteinpflaster, alternative Cafés, leckere Seafood-Restaurants, dazu das Geschrei der Möwen, an- und ablegende Fischerbote. Eine Besonderheit dieser Etappe darf nicht unerwähnt bleiben: die Unterkunft. Ich verbrachte die Nacht nämlich in einem nach außen zwar unscheinbaren Hotel, dessen Zimmer, Flure und Lobby aber einen viktorianischen Charme innehatten, wie ich ihn selten irgendwo erlebt habe. Aber seht am besten selbst nach in den Fotos aus Maine.

Wie gerne wäre ich der Küste noch weiter in Richtung Norden gefolgt! Doch leider geht mir langsam die Zeit aus, so dass ich gestern einen Highway nach Westen wählte und nach New Hampshire zurückkehrte (siehe Route am Montag). Die Nacht verbrachte ich in Conway, einem winzigen Nest, wo sich das einzige Hostel des gesamten Bundesstaates befindet. (Nebenbei bemerkt zeigt sich daran auch, dass es in New England keine Infrastruktur für Backpacker gibt und ein Urlaub hier schnell teuer werden kann.)

Ankunft nach Sonnenuntergang in Conway - eine eiskalte Nacht, ein uraltes Hostel, kein Gast außer mir, eine sympathische, aber auch leicht verwirrte Gastgeberin von rund 80 Jahren und ... genau: Halloween! Höchste Zeit, dass ich über diese große amerikanische Tradition ein paar Worte verliere - oder zumindest meine persönliche Halloween-Geschichte 2011 erzähle. Denn eine verrücktere Atmosphäre als die gestern Abend kann ich mir dafür nicht vorstellen. Als ich das Hostel erreichte und an ein verrammeltes Fenster klopfte, empfing mich die Gastgeberin in Nachthemd und Socken, das graue Haar in zwei Zöpfen zusammengebunden, das halbe Gesicht bereits mit weißer Leuchtschminke bedeckt. Gerade hatte sie einen Teller mit frisch zubereitetem Rührei und Toast auf den Tisch gestellt, dazu ein Bier geöffnet. Nicht jedoch für sich selbst, sondern für die Toten, wie sie mir geheimnisvoll erläuterte. Im Flur hatte sie in einer großen Schüssel unzählige Bündel mit Süßigkeiten für die Kinder vorbereitet, die sie jeden Moment an der Tür erwartete und die dann auch zu später Stunde in immer größerer Zahl etwas verängstigt die Stufen zur Verranda erklommen. Ich richtete mich in meinem kalten, etwas schmutzigen Zimmer mit Doppelbetten für sechs Personen ein. Im Wohnzimmer gab es sogar Internet, aber ans Bloggen war nicht zu denken, weil sich die Stimme meiner Gastgeberin vor Vorfreude fast überschlug und aus dem Fernseher in Einstimmung auf die Nacht ein schlechter Horrorfilm plärrte.

Trotzdem werde ich auch gestern Abend in guter Erinnerung behalten, was auch mit dem köstlichen mexikanischen Abendessen zusammenhängt, das ich mir im Café Noche einige Straßenecken weiter gönnte, zusammen mit einem weiteren lokalen Bier und der wohl besten Margarita, die ich je gekostet habe (ich war allerdings noch nie in Mexiko). Den Rest des Abends verbrachte ich in einem Club am Highway, der mir als einziger Ort in der Region empfohlen worden war, wo man nach 22 Uhr noch Spaß haben könne. Dort spielte ich einige Runden Billard, erörterte mit dem Barkeeper die ästhetischen Unterschiede zwischen den amerikanischen Sportarten, tanzte ein wenig und unterhielt mich lange (und mehr oder weniger gut) mit einer allein erziehenden Zeugin Jehovas, die ihre Söhne zuhause unterrichtet hat und mich (trotzdem) fragte, ob wir in Deutschland Radio und eine Armee hätten.

Was mich schließlich zum Tag heute und meiner Wanderung durch die White Mountains entlang des Kancamagus Highway bringt. Dieser einsame Highway bot sich rund 30 Meilen lang dicht gesäumt von roten und gelben und braunen Bäumen dar, die in der Sonne so stark leuchteten, dass es mir fast unwirklich erschien. Außerdem begegnete ich so wenigen Autos, dass ich mich mehrmals fragte, ob der Highway nicht vielleicht gesperrt sei und ich ein entsprechendes Schild übersehen hatte. Ich hatte mir einen moderaten bis anspruchsvollen Rundweg ausgesucht, mit einem Gipfel ungefähr auf halber Strecke. Anders als auf früheren Reisen nach Kanada und Südostasien war ich dieses Mal weniger gut für eine Wanderung ausgerüstet, doch irgendwie kämpfte ich mich auch in Laufschuhen durch den Schnee und erreichte schließlich den Gipfel, wo neben einigen Fotos auch dieses Video entstand. Warum dieser Tag so besonders war? Weil ich ein Gefühl von Freiheit wahrscheinlich nicht viel intensiver erleben kann als alleine irgendwo in den Wäldern von New England oder bei einem Bier auf dem Gipfel, mit herrlichem Ausblick, unter strahlend blauem Himmel, nach vier Stunden Anstieg ohne einen Elch (Pech!) oder einen Bären (Glück!) getroffen zu haben, meilenweit von jeglicher Zivilisation entfernt. Das war ein schöner Tag, den ich soweit möglich in einigen Fotos aus New Hampshire II festgehalten habe.

Heute Abend erreichte ich schließlich Vermont, den letzten Bundesstaat meiner Reise, bevor ich am Donnerstag die Grenze nach Kanada überqueren und in der Innenstadt von Montreal mein letztes Quartier beziehen werde (siehe Route  am Dienstag). Inzwischen sollte deutlich geworden sein, dass dies auch eine kulinarische Reise für mich ist (wie immer eigentlich). Deshalb kann es auch kaum verwundern, dass ich nach meiner Ankunft erst einmal ein gemütliches Restaurant aufgesucht habe (siehe Foto). Morgen früh werde ich die Sugarbush Farm besuchen, wo vor allem Käse und Ahornsirup hergestellt (und Besuchern zum Probieren angeboten!) werden. Wie und wo genau ich die restlichen anderthalb Tage auf meinem Weg in Richtung Grenze verbringen werde, bleibt noch offen.

October 30, 2011

Schneesturm an der Ostküste

Ich schreibe aus Portsmouth, New Hampshire, rund zwei Stunden nördlich von Boston gelegen, wo ich die letzte Nacht in einem kleinen Highway-Hotel verbracht habe. Ursprünglich hatte ich geplant, noch etwas weiter zu fahren, allerdings war mir nicht danach, den drohenden Schneesturm eingeschneit auf einem verlassenen Highway zu verbringen. Denn was sich da am späten Nachmittag am Himmel zusammenbraute, muss man wirklich als Schneesturm bezeichnen. Heute Morgen sind hier an der Ostküste Hunderttausende ohne Strom, was sogar deutschen Medien eine Nachricht - oder wie hier in der SZ eine Bilderserie - wert war. Mein eigenes Foto anbei habe ich am Abend in der Innenstadt von Portsmouth gemacht, die völlig ausgestorben war, von einigen mutigen Nachtschwärmern abgesehen, die mit Regenschirmen, hochgekrempelten Krägen und nassen Füßen die nächstbeste Bar ansteuerten. Ich selbst gönnte mir ein fürstliches Abendessen in einem Seafood-Restaurant, probierte dazu ein lokales Bier und fuhr danach zurück ins Hotel, ehe ich mein Auto im Schnee nicht wiedergefunden hätte.

Zwei volle Tage hatte ich zuvor in Boston verbracht, wo ich bei einer Freundin untergekommen war. Nachdem ich am ersten Tag wegen des Dauerregens nur einen kleinen Ausflug zum Harvard-Campus nach Cambridge unternommen hatte (siehe mein letzter Eintrag), hatte ich am Freitag mehr Glück: Zwar blieb es kalt, doch begleitete mich strahlender Sonnenschein den ganzen Tag entlang des Freedom Trails, für den ich mir mehrere Stunden Zeit nahm. Boston ist eine überschaubare Stadt - grün, amerikanisch und europäisch zugleich, etwas chaotisch angelegt, reizvoll durch ihre Mischung von Geschichte und Moderne. Und gerade in Cambridge, wo sich neben Harvard auch das MIT befindet, kann man sich wunderbar treiben lassen in dem studentischen Flair, das einem sofort begegnet, wenn man aus der "T" (U-Bahn) aussteigt. Abgesehen vom Freedom Trail nahm ich mir am Freitag bewusst kein Sightseeing mehr vor, sondern verbrachte lieber etwas Zeit in einigen Cafés abseits der üblichen Touristen-Route (sprich: abseits des Freedom Trails). Abends zog es uns in ein berüchtigtes Burger-Restaurant nahe des Harvard-Campus, wo jeder Burger nach einem Politiker benannt ist und man dann je nach (politischen oder kulinarischen) Vorlieben einen "Barack Obama" oder einen "Mitt Romney" bestellen kann. Im "Top of the Hub", einer Bar mit herrlichem Ausblick über die Stadt, ließen wir den Abend bei einem Cocktail ausklingen.

Nach einem leckeren Frühstück in Watertown machte ich mich gestern gegen Mittag schließlich wieder auf, um wie erwähnt hier in Portsmouth, New Hampshire, meine Zelte aufzuschlagen. Inzwischen schneit es nicht mehr, und die Straßen sind einigermaßen frei. Mein Plan für heute: Zunächst ein Bummel durch die Innenstadt, die ich gestern ja nur eingeschneit und im Dunkeln gesehen habe, anschließend werde ich entlang der Küste weiter in Richtung Norden fahren, um heute Abend in Portland, Maine, anzukommen, der nächsten Station meiner Reise. Wie immer hier die Links zu meiner (eher bescheidenen) Route am Samstag und natürlich zu den Fotos aus Boston.